Beispielfragen

Gibt es bezüglich Anführungszeichen („unten und oben“, “nur oben” oder « .. ») in der Schweiz irgendwelche Regeln?

Es gibt für die deutsche Schriftsprache keine verbindliche Regel, die besagt, ob Anführungszeichen am Titel-/Zitatanfang oben oder unten zu setzen sind. Sie können also beide Varianten verwenden.
In der Schule lehrt man – wohl aus Gründen der Übersichtlichkeit -, dass man die einleitenden Anführungszeichen unten setzt.
Ebenfalls gängig ist die Form » … «.
Die französische Form der Anführungszeichen « … » hat sich speziell in der Schweiz eingebürgert, weniger in Deutschland. Insbesondere findet sie für den Antiquasatz Verwendung.
Innerhalb eines Textes sollten Sie der Einheitlichkeit wegen immer die gleiche Formder Anführungszeichen wählen.

Zu CHF 36.- ist im Buchhandel ein Bändchen mit CD erhältlich: “Tastaturschreiben”,
Verlag SKV, ISBN 978-3-286-32002-4.  Darin sind alle Fragen für die Schweiz geregelt
(Schweizernorm SN).


Heisst es des Collegiums oder des Collegium Musicum Basel?

Im heutigen Sprachgebrauch werden derartige Eigennamen häufig ohne Flexionsendung in den Genitiv gesetzt. Dies ist auch bei “Collegium” der Fall. Insbesondere da es sich um einen aus dem Lateinischen stammenden Ausdruck mit dem parallel gebeugten Zusatz “Musicum” handelt, würden wir die unflektierte Form empfehlen: des Collegium Musicum Basel

Um das Problem zu umgehen, wäre auch eine Umformulierung möglich, z. B.: des Orchesters Collegium Musicum Basel, eventuell auch mit Anführungszeichen: des Orchesters “Collegium Musicum Basel”.


Wie ist es richtig?
Man braucht sich von dieser Regelung nicht gestört fühlen.
Man braucht sich vor dieser Regelung nicht gestört zu fühlen.

Zu empfehlen ist “braucht sich von dieser Regelung nicht gestört zu fühlen”. Inzwischen wird nach “brauchen” auch die Form ohne “zu” akzeptiert, schrift- und standardsprachlich wäre aber auf jeden Fall zur Verwendung des “zu” zu raten.


Ist der Ausdruck “aussen vor bleiben” ein Import aus Deutschland oder liege ich da falsch?

Bei manchen Ausdrücken ist die Herkunft und der “Verbreitungsweg” eindeutig, andere Ausdrücke sind in dieser Hinsicht nur ansatzweise bestimmbar.
“aussen vor bleiben” entstammt unseren Recherchen zufolge dem Norddeutschen und gilt allgemein als umgangssprachlich.


Ist es in einem wissenschaftlichen Text weiterhin üblich, sich als Autor mit “wir” zu bezeichnen?

Eine feste Regel oder Richtlinie hierzu gibt es nicht – eher Vorlieben und Gepflogenheiten, die sich in verschiedenen Disziplinen, aber auch verschiedenen Verlagen etabliert haben.
Allgemein nimmt das “Wir” an Bedeutung ab, es wird immer geläufiger, ein direkteres “Ich” zu verwenden (insbesondere wenn tatsächlich auf die Position des Autors referiert wird) oder unpersönlich zu formulieren (z. B. “In dieser Arbeit wird … behandelt”, “Es wurde herausgefunden, dass …”, “Diese Arbeit hat gezeigt, dass …”).

Gegebenenfalls sollte man sich mit dem Lektorat absprechen – nicht selten ist dieses auch um Einheitlichkeit innerhalb der Publikationen eines Verlags bemüht.


Wie schreibt man Namen in Verbindung mit einem Substantiv? Z. B. Migros-Produkte

Die Getrenntschreibung von Komposita ist im Deutschen nicht vorgesehen. Daher gilt die Bindestrichschreibung: Migros-Produkte

Wenn es sich bei der Marke nicht um eine Abkürzung handelt, wäre auch die Zusammenschreibung denkbar: Migrosprodukte

Die Bindestrichschreibung wirkt jedoch verdeutlichend, daher würden wir sie hier empfehlen.


Was bedeutet “befindet sich in Lohn und Brot”?

“sich in Lohn und Brot befinden” oder “in Lohn und Brot stehen” bedeutet: eine feste, bezahlte Arbeit haben

Damit verwandt sind auch die Redewendungen “jemanden in Lohn und Brot bringen” (‚jemandem einen Arbeitsplatz verschaffen‘) und “jemanden um Lohn und Brot bringen” (‚jemandem seine Arbeit nehmen‘). Zudem gibt es das Sprichwort “Abendrot verspricht dem Bauern Lohn und Brot, dahingegen Morgenröte verheisst dem Bauern arge Nöte”.

Das Wort “Lohn” für “Bezahlung, Gegenwert für geleistete Arbeit” ist schon für das Althochdeutsche bezeugt.


Muss hier ein Komma stehen?
Aber es müsste doch möglich sein die betreffende Dame ausfindig zu machen.

Bei Infinitivgruppen wird ein Komma gesetzt, wenn sie von einem Korrelat oder Verweiswort abhängen (hier: “es”). Dementsprechend ist auch in Ihrem Beispielsatz ein Komma zu setzen: Aber es müsste doch möglich sein, die betreffende Dame ausfindig zu machen.


Hier weiss ich nicht weiter. Können Sie mir bitte helfen?
Sie hat das designed/designt.

Anglizismen an sich sind ein sehr kontroverses Thema. Grob gesagt werden sie von manchen als Bereicherung der Sprache angesehen und mit Vorliebe verwendet, von anderen als unnötige Unterwerfung unter die angelsächsische Sprache und Kultur angesehen und strikt abgelehnt.
Schliesslich muss jeder für sich entscheiden, welchen Ausdruck er im jeweiligen Kontext für angemessen hält.
Dass “designen” ein relativ gebräuchlicher Anglizismus ist, erkennt man daran, dass er in gängige Wörterbücher des Deutschen Eingang gefunden hat (z. B. “Brockhaus WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung 2011”, S. 283).
“designen” gehört zu den Verben, die so weit ins Deutsche integriert sind, dass sie Konjugationsmustern deutscher Verben folgen. Das Partizip “designt” gilt daher als korrekt: Sie hat das designt.

Übersetzungen wären z. B.:

Sie hat das entworfen / gestaltet / konstruiert / entwickelt / gezeichnet.
(siehe auch “Anglizismenindex”; www.sprachkreis-deutsch.ch/anglizismenindex)


Heisst es:
Seit letztem Sommer….oder
Seit letzten Sommer?

Die Präposition “seit” wird mit dem Dativ verbunden. Es heisst also:
seit letztem Sommer
seit dem letzten Sommer

Die Formulierung “seit letzten Sommer” ist nicht möglich. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um eine Vermischung der beiden korrekten Varianten.


Was ist denn richtig? “für deren unterschiedliche Fragen”
oder: “für deren unterschiedlichen Fragen”?

Hier ist der Akkusativ Plural gefordert (“für wen/was?”).

Nach “deren” wird das Adjektiv stark dekliniert, da “deren” hier die Funktion eines Genitivattributs hat und nicht die Funktion eines Artikelworts. Es heisst also: für deren unterschiedliche Fragen.


Hätten Sie mir bitte eine Übersetzung für “call of ideas”?

Es gibt kein generell gültiges Äquivalent zu “call of ideas” (häufiger: “call for ideas”). Ersetzungsmöglichkeiten wären z. B.:

Ideenausschreibung
Ideenwerkstatt
Ideensammlung
Kreativwerkstatt

Eine Möglichkeit, das Verständnis sicherzustellen, ist das Hinzufügen einer Erklärung in Klammern, wenn der Anglizismus zum ersten Mal verwendet wird.

Möglich wäre auch die Einführung einer deutschen Bezeichnung, die bei der ersten Verwendung durch Nennung des Anglizismus definiert wird, beispielsweise: Wir müssen uns um die Ideenausschreibung (“call for ideas”) kümmern. Die Beitragsausschreibung sollte …


Wie heisst das Wort “Label” in einem deutschen Text in der Mehrzahl?

Was den Plural des Anglizismus “Label” betrifft, herrscht im Sprachgebrauch (noch) Unsicherheit. Auch in gängigen Nachschlagewerken findet man sowohl den Plural mit “-s” als auch den endungslosen Plural:
die Labels
die Label

Es ist gut möglich, dass sich mit der Zeit eine Pluralform durchsetzen wird. Momentan können Sie Ihr Sprachgefühl entscheiden lassen, welche
Form Ihnen eher zusagt. (Ich persönlich würde “Labels” bevorzugen.)

Für den Genitiv ist in jedem Fall die Form mit “-s” zu empfehlen: des Labels.